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80 Stunden Weihnachtsbaumverkäufer - Erfahrungen

80 Stunden als Weihnachtsbaumverkäufer

Zur Seite 1 Als Konsument sieht man einen Platz mit Bäumen und einen Verkäufer. Christbaumverkauf ist aber doch irgendwie etwas anderes. Egal ob es regnet und am frühen Morgen nach 30 Min. die Hose eigentlich gewechselt werden könnte, weil sie von nur einem Baum, den man verkauft hat, durch nass ist, oder man an einem anderen Tag einen auf Stunden umgelegten Lohn von 5,50 DM (2,75 Eur) hat. Es ist der Kontakt mit den Menschen. Bei knapp über 180 verkauften Bäumen hat es nur zwei Menschen gegeben, die etwas anders waren. Ein Paar in den mittleren Jahren besorgte zwei Christbäume im Auftrag der Firma, für die der Mann arbeitete. Und weil er für diese Besorgung sowieso keine Entlohnung bekam, nahm er gleich für sich zu Hause einen kleinen Baum mit und liess ihn auf die Firmenrechnung beim Chef im Container schreiben. Der zweite Fall war auch ein Mann, der ebenso einen Weihnachtsbaum für jemanden dritten besorgte. Es war ihm gleichgültig wie dieser beschaffen war.

Mit vielen Kindern, Frauen und Männern war es möglich, kurze Beziehungen zu schaffen. Ob es nun der Pensionist Alois war, der das erste Mal als Rentner Weihnachten zu Hause feiert, oder die Frau, die am liebsten alle Bäume am Grosshandelsplatz ausgepackt hätte und ihr Mann in Erinnerungen schwelgte, als er noch arbeiten ging und dann von ihr nur den Anruf bekam, wo er den Baum abholen könnte, weil es ihm zu mühselig war. Es war eine Erfahrung, die man nicht missen möchte -

An einem der Tage, ein Morgen in prächtigen Sonnenlicht, wo der Verkäufer alleine am Platz die Reihen seiner Bäume durchschritt und die Zweige mit den Händen berührte und über das Wesen der Christbäume sinnierte, war es als wenn die Bäume zu ihm plötzlich sprechen würden und er vernahm:

"Wir sind der Chor, der erklingt zu den himmlischen Fanfaren in der heiligen Nacht"